• Erzgebirgs-Strolche

Die Geschichte von Rocky

Rocky

Es begab sich zu einer Zeit...
So oder so ähnlich beginnen meist die Märchen, die man Kindern erzählt. Märchen sind in der Regel frei erfunden und ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt – im Gegensatz zu der nachfolgenden Geschichte.

Man schrieb das Jahr 2012. Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich schon eine Weile nicht mehr arbeiten gehen und dennoch verlief mein Leben in recht geordneten Bahnen. Der Gedanke an einen eigenen Hund ließ mich schon seit geraumer Zeit nicht mehr los und so beschloss ich mit meinem Mann darüber zu sprechen. Ich wollte nicht nur seine Meinung dazu hören, sondern insgeheim hoffte ich auf Verständnis und vielleicht sogar ein ganz kleines bisschen auf ein "Ja mach das". Zu meiner Überraschung sagte er sofort: "Ja".

Die Wahl hinsichtlich der Hunderasse fiel mir nicht schwer. Ein West Highland White Terrier, kurz "Westie", sollte es sein, zumal der Westie ein echter Terrier ist und sich auch dementsprechend benimmt.

Ein Züchter für Westies ganz in unserer Nähe war dafür geradezu prädestiniert. Vereinte er doch den menschlichen Typen mit einer Riesenportion Hundeliebe und dem gleichermaßen geballten Wissen über Hunde, deren Entwicklung, Handhabung und Eigenschaften.

So kam es, dass schon sehr bald "Mr. Simple White von Paradise of Wind" Einzug in unser Familienleben hielt.

Dieses kleine quirlige Kerlchen brachte so einiges an frischem Wind und Leben in die Bude. Hatte er doch jede Minute irgendeine andere Idee, die ausgelebt werden wollte. Diese auch für ihn neue Welt war voll von Überraschungen und neuen Gerüchen und Dingen, die es zu erkunden galt – und das geschah meist mit sehr stürmischer Natur.
Außerdem stammte er ja aus dem Zwinger mit Namen "Paradise of Wind" und nicht "Paradise of laues Lüftchen" und musste seinem Namen doch alle Ehre machen.
Und weil dieser kleine Kämpfer wie ein Fels in der Brandung stand, nannten wir ihn "Rocky".

Leider währte das Glück nicht lange. Ich konnte Rocky aus gesundheitlichen Gründen nicht halten. Und so erklärte Rockys Züchter sich bereit ihn zurückzunehmen. Seine Worte: "Der Hund ist für euch bestimmt, der geht nicht weg", klingen mir heute noch im Ohr.

Schon nach kurzer Zeit fehlte mir dieses kleine, weiße, herumtobende Etwas so sehr, dass ich versuchen wollte, das mit Rocky irgendwie hinzubekommen. Wie, wusste ich noch nicht, aber: Rocky kam wieder zu uns.

Schnell musste ich mir eingestehen, dass so sehr ich mir das auch wünschte, mein gesundheitlicher Zustand es einfach nicht zuließ, dass ich mich ausreichend um Rocky kümmern konnte.

Abermals landete Rocky wieder bei seinem ursprünglichen Züchter, der seine Worte: "Der Hund ist für euch bestimmt" wiederholte. Und er sollte Recht behalten.

Rocky war ja nun schon ein Weile aus dem Rudel raus und so kam es, dass er an diesem Tag von einem anderen Hund ins Ohr gebissen wurde. Nicht sehr schlimm, aber immerhin soviel, dass er kurz quiekte und es blutete.

Das war der Moment an dem ich eingreifen musste. Ich merkte, wie mir die Tränen kamen und ich gleichzeitig sauer war. Sauer über den Hund, der "meinen Rocky" gezwickt hatte, darüber, dass Rocky verletzt wurde und auch ein wenig über mich selbst. Gleichzeitig stieg in mir eine Art Wut auf, die mich mehr und mehr in eine Entschlossenheit trieb. Kurzerhand hob ich Rocky auf meinen Arm und sagte ihm: "Du kommst mit zu uns...und dieses Mal für immer"

Im gleichen Moment merkte ich, wie meine Tränen einem Gefühl Platz machten, das man einerseits wohl als innere Zufriedenheit bezeichnet und mich andererseits aber auch eine unbeschreibliche Freude erfüllte.

Das ist nun schon 6 Jahre her.
Das Gefühl dieser Zufriedenheit und die Freude sind geblieben – und Rocky auch.
Dieses Mal für immer...